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Wie Aachens Altstadt neu entstand


Jan Richarz, seit Februar dieses Jahres Dombaumeister in Aachen, erhält den renommierten Paul-Clemen-Preis des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird jährlich in Bonn für eine herausragende Dissertation auf dem Gebiet der rheinischen Kunstgeschichte verliehen. Der in Düren aufgewachsene und heute in Stolberg bei Aachen lebende Richarz hat sich in seiner Doktorarbeit „Aachen – Wiederaufbau: Rekonstruktion durch Translozierung“ mit dem Wiederaufbau der Aachener Altstadt befasst.

Auf der Grundlage intensiver Archivrecherche beschreibt Richarz, wie der Wiederaufbau der Aachener Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg vonstattenging. Merkmal des zunächst gefeierten und in späteren Jahrzehnten vermehrt kritisierten „Aachener Modells“ war die systematische Translozierung historischer Fassadenteile. Indem Neubauten im Altstadtbereich mit Bauteilen abgebrochener Gebäude verkleidet wurden, entstand eine neue, fiktiv historische Altstadt. Eine Erklärung für dieses Vorgehen bietet der Autor in der Einleitung seiner dreiteiligen, mehr als 500 Seiten starken wissenschaftlichen Arbeit: „Die Menschen suchen nach der Kontinuität im Stadtbild für ihre eigene Identifikation mit ihrer Stadt.[…] Bei aller Kritik an Rekonstruktionen und Kopien verlorener Bauten wird die Translozierung und das Einfügen echter Altsubstanz in Neubauten oft als Rettung verstanden und als Lösung toleriert.“


Dr. Jan Richarz erhielt für seine bauhistorische Dissertation den Paul-Clemen-Preis des LVR. Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, hielt die Laudatio und überreichte die Urkunde. Foto: Aschoff / LVR


Gerade der Katalogteil bezeugt die detektivische Akribie, mit der Richarz der Provenienz der Fassaden, Portale und anderer Bauteile nachgespürt hat. Doktorvater Prof. Dr. Christian Raabe vom Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung an der RWTH Aachen: „Der hier geführte Nachweis, dass es sich bei dem ´System` Translozierung nicht um eine singuläre Erscheinung handelt, um eine Sonderform der Rekonstruktion, sondern vielmehr um eine anerkannte Methode der Stadtplanung und der Denkmalpflege im betrachteten Zeitraum, ist die herausragende Leistung der Arbeit.“

Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, stellt in ihrer Laudatio fest: „Es ist das Verdienst von Herrn Dr. Richarz, das Themenfeld ‚Translozierung‘ am Beispiel Aachen umfassend bearbeitet und damit dem denkmalpflegerischen Diskurs eine unschätzbare Grundlage gegeben zu haben.“ Nun müsse sich die Denkmalpflege dem „Phänomen der Translozierung“ neu stellen. In seiner Tätigkeit als Aachener Dombaumeister bleibe Dr. Richarz auch weiterhin der Denkmalpflege im Sinne von Paul Clemen treu. „Der Aachener Dom ist mit seiner auf Karl den Großen zurückgehenden Geschichte wohl das bedeutendste Bauwerk, das einem Denkmalpfleger und Bauhistoriker anvertraut werden kann.“

Der LVR erinnert mit dem Paul-Clemen-Preis an den ersten Provinzialkonservator der Rheinprovinz. Mit seiner Berufung wurde 1893 die staatliche Denkmalpflege im Rheinland begründet. Heute leitet Dr. Andrea Pufke als erste Landeskonservatorin das von Paul Clemen begründete Denkmalpflege-Fachamt im Rheinland. Als Jury-Mitglied begrüßt sie die Wahl des diesjährigen Preisträgers: „Die Dissertation zeigt eindrücklich, dass auch Denkmalpflege einem gesellschaftlichen Wandel unterliegt. Was man in den Nachkriegsjahren machte, würden wir heute nicht mittragen. Doch auch das damalige Vorgehen ist inzwischen ein Stück Zeitgeschichte.“


Unter insgesamt sechs Vorschlägen von Lehrenden an Hochschulen im Rheinland hat sich die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Roland Kanz, Leiter des Kunsthistorischen Instituts der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, für die Dissertation von Jan Richarz entschieden. „Richarz behebt ein dringendes Desiderat in Bezug auf die Wiederverwendung historischer Bauteile, hier insbesondere Hausfassaden, die durch Translozierung einem neuen Gepräge eine alte Anmutung geben.“ Äußerst verdienstvoll und über Aachen hinaus relevant sei auch die Darlegung von Theorien und Methoden des Translozierens im ersten, grundlegenden Teil der Arbeit. „Jan Richarz legt eine Dissertation vor, die Vorbildcharakter aufweist und in ihrer exzellenten Durchdringung des schwierigen Themas preiswürdig ist“, so Kanz.

Unter insgesamt sechs Vorschlägen von Lehrenden an Hochschulen im Rheinland hat sich die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Roland Kanz, Leiter des Kunsthistorischen Instituts der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, für die Dissertation von Jan Richarz entschieden. „Richarz behebt ein dringendes Desiderat in Bezug auf die Wiederverwendung historischer Bauteile, hier insbesondere Hausfassaden, die durch Translozierung einem neuen Gepräge eine alte Anmutung geben.“ Äußerst verdienstvoll und über Aachen hinaus relevant sei auch die Darlegung von Theorien und Methoden des Translozierens im ersten, grundlegenden Teil der Arbeit. „Jan Richarz legt eine Dissertation vor, die Vorbildcharakter aufweist und in ihrer exzellenten Durchdringung des schwierigen Themas preiswürdig ist“, so Kanz.


 

LVR

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