Wer soll das bezahlen...


Frank Tewes, Dr. Werner Schäfke, Silvia Rückert und Jürgen Roters bei der Vorstellung des Buches "Die Große Inflation 1914 bis 1924. Eine Kölner Geldgeschichte" am 9. August im Kölnischen Stadtmuseum.

sang Jupp Schmitz 1948 als Anspielung auf die durch die Währungsreform ausgelösten Preissteigerungen

So ähnlich werden viele Menschen auch heute wieder denken

Es ist erschreckend wie sehr das Thema auch heute wieder aktuell ist

Als Professor Werner Schäfke,, ehemaliger Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, und der Marzellen Verlag mit der Planung für das Buch

Die Große Inflation 1914 bis 1924. Eine Kölner Geldgeschichte“ begannen konnte das keiner ahnen

Und auch heute sind sich viele Menschen der Tragik der Ereignisse damals wie heute kaum bewusst

Heute wurde das Buch am neuen Standort des Museums der Presse vorgestellt


Werner Schäfke erzählt nicht nur ein spannendes 100 Jahre zurückliegendes Kapitel der Kölner Stadtgeschichte mit vielen einzelnen Geschichten rund ums immer wertlosere Geld. Er gibt auch interessante Einblicke in die Dynamik der Geldentwicklung und deren Folgen für die Menschen, die auch in der heutigen Zeit zum Nachdenken anregen. „Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Großen Inflation sind zum deutschen Trauma geworden“, erklärt Werner Schäfke. „Jeder von uns hat es noch heute. Vielleicht ist das die Ursache dafür, dass man sich mit dieser immer noch offenen Verletzung mit Blick auf Köln kaum beschäftigt hat.“

Einblick in die Lebenswelten der Menschen

Diese Lücke füllt der Historiker nun mit seinem Buch. In neun Kapiteln berichtet er etwa vom Kleingeldersatz, der nötig wurde, weil das Metall des Kleingelds für Rüstungszwecke eingezogen worden war. So kamen auch ungestempelte Briefmarken werbewirksam eingetütet als Zahlungsmittel in den Umlauf. Ein Bericht der Preisprüfungsstelle zeigt auf, wie das Wucher- und Schiebertum bekämpft werden sollte. Und Schäfke erzählt Geschichten, die Einblicke in die Lebenswelten der Menschen geben – etwa die von dem Mann, der für einen Koffer voll Geld beim Metzger eine Fleischwurst kaufen wollte, oder die von Louise Straus-Ernst, der ersten Ehefrau von Max Ernst, die für ihre in bar ausgezahlte Mitgift in Höhe von einigen zigtausend Mark lediglich ein Straßenbahnticket kaufen konnte. Ein eigenes Kapitel ist dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer und seiner Strategie „Schulden machen zur richtigen Zeit“ gewidmet. Die Stadt Köln nahm in dieser Zeit etwa für den Bau der Messe oder für die Hafenanlagen in Niehl schnell investierte Kredite auf, die bald kaum noch etwas wert waren.


Eine Inflation wie 2022 von 8,1 % hätten wir auch in den 70 er und 80er Jahren bereits mal gehabt erklärte Schäfke und wir dürften nicht vergessen, dass wir auch seit 10 Jahren kaum Preissteigerungen hatten

Es wäre also Alles kein Grund zur Panik, sollte aber besonnen im Auge behalten bleiben


Unterstützung durch Freunde des Kölnischen Stadtmuseums

Der Verein Freunde des Kölnischen Stadtmuseums hat das Buchprojekt unterstützt, dessen Herstellungskosten auch aufgrund inflationär zunehmender Preise für Papier und Druck immens gestiegen sind.

„Fragen von Inflation und Geldentwertung sind Themen, die hautnah bei den Menschen sind. Das war in den Kriegs- und Nachkriegszeiten 1914 bis 1924 so und ist in den heutigen Tagen nicht anders. Dr. Schäfke zeigt dies eindringlich am Beispiel Köln“, erklärt Jürgen Roters, ehemaliger Oberbürgermeister und Vorstand des Vereins. „Gerade in einer Phase der Neuaufstellung halten wir Freunde des Kölner Stadtmuseums die Unterstützung des Museums für besonders wichtig; und zwar nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in der fachlichen Begleitung der Reform“.

Jürgen Roters wies auch darauf hin, dass die Inflation in 2022 nicht der Wirtschaft geschuldet ist, sondern hervorgerufen durch einen russischen Diktator


„Geschichte wiederholt sich (nicht). Es ist wichtig, daraus zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen“, so Frank Tewes, Geschäftsführer des Marzellen Verlags, der das Buch in diesem Sommer herausgebracht hat. "Die Erinnerung an die ‚Große Inflation‘ ist heute zu einem dunklen Schatten der Vergangenheit geworden“, ergänzt Werner Schäfke. „Ein klarer Blick auf diese Epoche hilft vielleicht, ein neues Drama zu verhindern."


Werner Schäfke Die Große Inflation 1914 bis 1924 Eine Kölner Geldgeschichte 192 Seiten, 19,95 € Marzellen Verlag Köln 2022 ISBN 978-3-937795-70-6 www.marzellen-verlag.de







 

Kirsten Lehnert Anna M Drack

projekt2508 GmbH

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