"Shin hanga"



Museum für Ostasiatische Kunst zeigt kostbare Holzschnitte des 20. Jahrhunderts



© Kawase Hasui Schnee an der Kiyomizu-Halle in Ueno

Ab Freitag, 11. März, bis einschließlich Pfingstmontag, 6. Juni 2022, zeigt das Museum für Ostasiatische Kunst (MOK, Universitätsstraße 100, Köln-Innenstadt) die Sonderausstellung "Shin hanga. Der moderne Farbholzschnitt Japans 1900-1960". Mit einer einzigartigen Auswahl von mehr als 200 Holzschnitten aller bedeutenden "Shin hanga"-Künstler zeichnet die Ausstellung die Entwicklung der "Neuen Drucke" von ihren Anfängen bis zu ihrer Blüte nach. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zum Niedergang der Ukiyo-e (etwa "Bilder der fließenden Welt") Kultur. Grund dafür war die Annäherung Japans an den Westen, die nach der Öffnung des Landes ab den 1850er Jahren einsetzte. Neue Reproduktionsmethoden wie die Fotografie und die Chromolithografie konkurrierten nun mit der traditionellen Holzschnittproduktion, wodurch diese unter Druck geriet.


© Ohara Koson Zwergohreule, Kirschblüten und Vollmond

Anfang des 20. Jahrhunderts suchte der junge Verleger Watanabe Shōzaburō (1885-1962) nach einem neuen Stil für die japanische Holzschnittkunst. Er verpflichtete im Laufe der Zeit eine große Anzahl von Künstlern und wurde zur treibenden Kraft hinter der kommerziellen Entwicklung der "Shin hanga"-Bewegung. Unter seinem Einfluss entstanden ästhetisch und technisch herausragende Holzschnitte, die mit feinsten Pigmenten auf edle Papiere gedruckt wurden. Die Sujets der ausgestellten Arbeiten reichen von "Bijin-ga" (wörtlich: Bilder von schönen Frauen) und Darstellungen großer Schauspieler des Kabuki-Theaters über stimmungsvolle Landschaften und beeindruckende Vogeldarstellungen bis hin zu Szenen aus dem modernen urbanen Leben.


© Itō Shinsui Handspiegel

Allerdings unterschieden sich die "Neuen Drucke" von ihren traditionellen Vorgängern, den Farbholzschnitten des Ukiyo-e, weniger durch das Bildmotiv als vielmehr durch ihre Bildsprache. Die Shin hanga-Künstler orientierten sich am westlichen Stil und arbeiteten mit Modellen, wodurch die dargestellten Frauen mehr Gefühl und Charakter zum Ausdruck bringen. Landschaften zeigen durch mehr farbliche Nuancen und dem Spiel von Licht und Schatten eine größere Atmosphäre. Die Holzschnitte der Ausstellung stammen aus zwei großen niederländischen Privatsammlungen sowie – besonders bemerkenswert – aus der familieneigenen Kollektion Watanabe Shōzaburōs, des bedeutendsten Verlegers japanischer Drucke des 20. Jahrhunderts. Durch die großzügigen Leihgaben sind Werke aller bedeutenden Künstler der "Shin hanga"-Bewegung im MOK zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation durch ein neuerworbenes Stellschirmpaar des in der Ausstellung vertretenen Malers und Holzschnittkünstlers Yoshida Hiroshi (1876-1950). Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, der für 35 Euro im Museumsshop erhältlich ist.


 

Museum für Ostasiatische Kunst

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