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Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia

Wenn man über die guten  alten Zeiten, oder den Karneval kurz nach dem Krieg und heute reden will, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Grand Seigneur des Kölner Karneval: Ludwig Sebus

Ludwig Sebus wurde am 5. September 1025 in Köln geboren und wird dieses Jahr stolze 90 Jahre alt.

Er empfing uns in seinem Studio…einem Raum im ersten Stock seines Einfamilienhauses in Ossendorf. Schon beim Betreten des Raums macht man eine kleine Reise in die Vergangenheit…ein Keyboard, ein kleiner Röhrenfernseher und ein Kassettendeck führen zurück in die 70 er Jahre, als Ludwig Sebus noch aktiv im Karneval war.


Hier hat er viele seiner über 250 Lieder geschrieben und komponiert, Lieder, die er selber gesungen hat, aber auch Lieder für Kollegen wie Renate Fuchs oder Claudia Engels u.a.

U.a. ist der Marsch der Bürgergarde Blau Gold seiner Feder entsprungen.


Ludwig Sebus war im Krieg Soldat und geriet danach in russische Gefangenschaft. In der Gefangenschaft wurde der damals 19 jährige verschüttet und konnte  ein ¾ Jahr gar nichts hören. Danach hatte er lange noch Beschwerden der Hörnerven.

Aus der Gefangenschaft kehrte er in ein zerbombtes Köln zurück…und hier entstand auch eines seiner ersten Lieder

Jede Stein en Kölle  eß e Stöck vun deer

Dieses Lied in eine Hommage an die Trümmerfrauen und an all die die Köln wieder aufgebaut haben. Die Menschen konnten sich mit dem Lied identifizieren und es gab ihnen Hoffnung.


Ludwig Sebus hat in seiner aktiven Zeit bis zu 200 Auftritte absolviert, von der großen Gala bis zur kleinen Pfarrsitzung. Vor 11 Jahren hat er sich aus dem aktiven Karneval verabschiedet.

Natürlich ist eine der  ersten Fragen, die man automatisch einem Menschen wir Ludwig Sebus stellt…


Was hat sich verändert in den 60 Jahren die Du auf der Bühne stehst


Sebus:Früher war alles viel eleganter…die Herren trugen Smoking, die Damen Abendkleider. Man war sich der Bedeutung der Veranstaltung bewusst, dadurch war es leiser im Saal…man wollte hören was die Redner zu sagen hatten

Heute ist alles Party lastiger…es wird mehr gefeiert…leise Töne und Redner haben es schwer.

Man muss auch bedenken dass z.B. die Mainzer Hofsänger ihren ersten Fernsehauftritt  in Köln hatten bei einer Pripro, heute wäre das undenkbar. Übrigens bei der gleichen Prinzenproklamation in der ich mein Lied Jede Stein von Kölle singen durfte.

Wie hat Deine Karriere angefangen?

Sebus:  Ich kam 1950 nach Köln zurück und hab mich dem Altermarktspielkreis angeschlossen. Ich schrieb meine ersten Lieder für den Altermarktspielkreis. Mein Freund Robert Schumann war Literat der Roten Funken und so hatte ich bei einer Sitzung der Roten Funken 1953 im Sartory meinen ersten Auftritt

Vorher habe ich  mich wie andere Karnevalisten zB. Hans Hachenberg 3 Jahre beim Literarischen Komitee des Festkomitees Kölner Karneval bewerben müssen

Was würdest Du heute anders machen, wenn Du noch mal jung wärst

Sebus: Das weiß ich nicht so genau, die Menschen haben heute ganz andere Möglichkeiten…zu studieren, sich die Welt anzusehen. Wichtig wäre mir aber dann  auch, niemals die Achtung vor dem Mensch an sich zu verlieren, denn fast jeder Mensch hat ein Talent, dass über dem Durchschnitt liegt, man muss es nur erkennen.

Was muss man Deiner Meinung nach mitbringen, um im Karneval Fuß zu fassen

Sebus: Viel Fantasie, Ausdauer, Disziplin und Fleiß. Als ich anfing, gab es Rundfunksendungen…wir hatten auf einen Schlag 12 Millionen Hörer die uns kannten. Heute gibt es das nicht mehr

Es war auch damals nicht einfach aber er war anders. Und wir hatten weniger Konkurrenz. Heute gibt es nicht nur eine Handvoll  Krätzjes Sänger sondern Bands an jeder Ecke.


Welche drei Lieder, waren für Dich persönlich die Wichtigsten oder die Bedeutendsten?

Sebus:  1. Jede Stein vun Kölle

2. de ahle Kuschteiebaum

3, die Flöötmanns mit dem Minirock

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