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Nur Fenster öffnen genügt nicht


Eine virenfreie Raumluft lässt sich in Schulen, Arztpraxen und Ladengeschäften nicht allein über das regelmäßige Öffnen der Fenster erreichen. Kurzfristig können mobile Luftreiniger die Lösung sein, mittel- und langfristig sollten vor allem Deutschlands Schulen Belüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erhalten. Das ist das Ergebnis der Ingenieurimpulse 2020, bei denen jetzt auf Einladung der Ingenieurkammer-Bau NRW und der EnergieAgentur.NRW namhafte Experten via Onlinediskussion über "Luftqualität in geschlossenen Räumen" diskutierten.
Vor mehr als 200 Gästen im virtuellen Diskussionsraum debattierten unter der Leitung des Moderators Ralph Erdenberger der Physiker Prof. Dr. Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München, der Biologe und Virologe Dr. Rolf Kaiser von der Uniklinik Köln und der Diplom-Ingenieur Ralph Wortmann vom Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik Wortmann & Wember in Bochum.
Lüften reicht nicht
Einig waren sich die Experten darin: Ein ausreichender Austausch der Raumluft in Klassenräumen ist während des Winters allein durch Stoßlüften kaum praktikabel. Prof. Dr. Christian Kähler, Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr in München, erläuterte, dass Stoßlüften nur bedingt funktioniere. Entweder müsse ausreichend Wind wehen oder ein größerer Temperaturunterschied zwischen außen und innen herrschen. Effektiv sei auch dann vor allem das sogenannte Querlüften. Doch zeige die Erfahrung: Wenn es wirklich kalt sei, nehme die Bereitschaft zum Lüften ab. Um einen ausreichenden Luftaustausch erreichen zu können, müsse man in Klassenräumen alle 10 Minuten für 5 Minuten die Fenster öffnen. Bei frostigen Außentemperaturen werde es dann im Klassenraum unzumutbar kalt. Dipl.-Ing. Ralph Wortmann teilt diese Einschätzung: Man sei doch drinnen, weil es draußen zu kalt sei. Wolle man im erforderlichen Maß lüften, dann benötige man eigentlich keine Schulgebäude mehr und könne gleich draußen unterrichten.
Für 1,5 Mrd. Euro ein mobiler Lüfter in jedem Klassenraum

Als kurzfristige Lösung empfiehlt Prof. Dr. Christian Kähler, Schulklassen mit mobilen Luftreinigern auszustatten. Hier seien die Luftreiniger mit hochwertigen Filtern die erste Wahl. Geräte, die die Viren mit UV-C-Licht oder durch Ionisierung bekämpfen, hätten sich für die Luftreinigung als nicht ausreichend effizient erwiesen. Mit HEPA-Filtern der Klassen H13 und H14 gelinge es, 99,995 Prozent der Aerosolpartikel in der Raumluft abzuscheiden. Diese professionellen Geräte arbeiteten sehr leise und reinigten bis zu 1.200/h. Damit sei in einem Klassenraum üblicher Größe ein 6-facher Luftaustausch in der Stunde möglich. Pro Schulklasse müsse man für diese Geräte rund 4.000 Euro investieren, d. h. für 1,5 Mrd. Euro könne man sämtliche Schulen in Deutschland mit mobilen Luftreinigern ausstatten.
Fest installierte Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung Lösung für die Zukunft
Für Dipl.-Ing. Ralph Wortmann sind mobile Luftfilter nur die zweitbeste Lösung. Die Luft werde zwar ausreichend von Viren befreit, aber der CO2-Gehalt ändere sich nicht. Das heißt, auch mit mobilen Luftfiltern muss man regelmäßig lüften, um für frische Luft im Klassenzimmer zu sorgen. Mittel- und langfristig sollten Schulen mit fest installierten Lüftungsanlagen und einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet werden. Sie sorgten für die notwendige Frischluft und sparten Heizenergie. Meist seien solche festinstallierten Lüftungsanlagen aber nur für einen 3-4-fachen Luftwechsel ausgelegt. Solche Lüftungsanlagen stehen seit Dekaden zur Verfügung, doch bislang fehlte oft der politische Wille, Schulen entsprechend auszurüsten.
Warum wir im Winter öfter unter Infekten leiden
Weshalb sich im Winter virale Erkrankungen grundsätzlich häufen, erklärte der Biologe und Virologe Dr. Rolf Kaiser anschaulich: Während der kalten Jahreszeit herrsche in beheizten Räumen meist sehr trockene Luft. Weil trockene Schleimhäute schnell rissig würden, könnten Viren leichter eindringen. Auch sei es ein Mythos, dass eine erhöhte Erregerkonzentration in der Raumluft das Immunsystem trainiere. Es gebe keinerlei belastbare Studien, die dies belegten.
Insgesamt zeigt die Veranstaltung, dass für Deutschlands Schulen Handlungsbedarf besteht. Kurz-, mittel- und langfristig sind erhebliche Investitionen nötig, um für frische und saubere Luft in Klassenräumen und in anderen öffentlichen Räumen zu sorgen. 

Quelle:Ingenieurkammer-Bau NRW
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