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Legendärer Veteran der Special Olympics


Der frühere Weltrekordhalter und Olympiasieger im Weitsprung ist der Bewegung der Special Olympics seit 1968 verbunden. Und er durfte natürlich bei den Weltspielen in Berlin nicht fehlen. Wo Bob Beamon auftaucht, lugt die große Sportgeschichte gleich um die Ecke. 1968 wurde der US-Amerikaner Olympiasieger im Weitsprung, mit der sensationellen Weite von 8,90 Meter. Bis heute sprang nur ein anderer Mensch, Mike Powell, im Wettkampf und bei regulären Windverhältnissen weiter als seinerzeit Beamon. Was seltener Erwähnung findet in den veröffentlichten Biografien, ist, dass Beamon auch bei den allerersten Special World Games in Chicago 1968 zugegen war.


„Das hier in Berlin sind wirklich nicht meine ersten Special Olympics“, sagte er lachend der Redaktion der Weltspiele. „Ein Familienmitglied von mir trat 1968 bei den Special Olympics an und gewann eine Goldmedaille. Auch ich gewann dann eine bei den Olympischen Spielen. Das war eine schöne Sache für meine Familie“, sagte Beamon im Rückblick auf diese Zeit. Damals lernte er auch die Gründerin der Special Olympics kennen, Eunice Kennedy-Shriver, die selbst aus der berühmten Kennedy-Familie stammte. Sie war eine Schwester des beim Attentat in Dallas getöteten US-Präsidenten John F. Kennedy


nified Experience bei der Leichtathletik Mixed Staffel, von links: SO Deutschland Athlet Steffen Rammert und Bob Beamon

Seit damals ist Beamon der Bewegung der Special Olympics verbunden. „Es wurde viel erreicht. Wir haben aber auch noch viel Arbeit vor uns“, sagte er. Um für Special Olympics zu werben, nahm er in Berlin am Staffellauf der Unified Experience teil. Sieben Staffeln kämpften im 4x100-Meter-Rennen gegeneinander. „Es ist mein erster 100-MeterLauf seit über 50 Jahren. Ich war schließlich auch Weitspringer“, sagte er vor dem Start vergnügt. Am inklusiven Rennen der Unified Experience nahmen neben Ikonen des Weltsports wie Beamon und Athlet*innen der Weltspiele sowie Freiwilligen aus dem Breitensport auch Asse der Paralympics teil. Mathias Mester, Silbermedaillengewinner im Kugelstoßen bei den Paralympics 2008, trat wie Beamon auf Position drei in der Staffel an, nur zwei Bahnen entfernt. Maike Schwarz, die 2016 in Rio Silber über 50 Meter Freistil holte, war an Position zwei gesetzt. „Gewöhnlich bewege ich mich ja im Wasser. Aber hier trete ich auch gern an Land an“, sagte sie der Redaktion der Weltspiele. Auf Schwarz waren viele Augen gerichtet, denn sie lief mit ihrem Hund Jumbo. „Ich kann schlecht sehen. Deshalb sorgt Jumbo dafür, dass ich den richtigen Weg finde“, erzählte sie. Jumbo lief angeleint voraus und stellte so sicher, dass Schwarz problemlos die Bahn auf dem blauen Tartanboden halten konnte.

Die Special Olympics World Games sind für die Potsdamerin eine besondere Erfahrung. „Ich habe bisher noch nicht so viel mitbekommen davon. Was mir aber aufgefallen ist: Alles hier ist mit viel Spaß und Freude verbunden. Ich habe auch das Gefühl, es ist alles nicht ganz so in sich gekehrt. Bei den Paralympics ist doch jeder stark mit sich selbst beschäftigt, bereitet sich auf seinen Wettkampf vor. Hier ist alles ein bisschen offener und freudiger, also einfach ganz anders“, meinte sie. Schwarz wird die ganze Zeit über bei den Weltspielen sein. Danach rückt ihr eigenes Training mit etwa 30 Stunden pro Woche wieder in den Vordergrund. Ihr großes Ziel sind die Paralympics 2024 in Paris

Für Bob Beamon sind Wettkämpfe unter den fünf Ringen längst in weite Ferne gerückt. Als Botschafter nimmt er aber weiter an Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften der Leichtathletik, den Meetings der Diamond League und auch an Spielen der Special Olympics teil. Er verbindet beide Welten – gar nicht untypisch für den US-Sport. In Berlin wird er begleitet von Benita Fitzgerald Mosley. 1984 wurde sie in Los Angeles Olympiasiegerin über 100 Meter Hürden. Aktuell gehört sie zum Board of Directors von Special Olympics International. Im Gründerland USA sieht sie die Special Olympics Bewegung gut verankert. „Jeder dort weiß, was die Special Olympics sind. Es arbeiten viele Freiwillige mit, junge wie alte Menschen, und es wird von den Bundesstaaten organisiert. Das führt zu vielen lokalen Events, so dass man zahlreiche Gelegenheiten hat, damit in Berührung zu kommen“, berichtet Fitzgerald Mosley. Über die ausdifferenzierte Infrastruktur im Sport hinaus sieht sie aber noch Defizite. „Bis in den High School-Bereich ist das gut, da haben wir viele inklusive Schulen. Im College-Bereich wird es aber dünner“, bedauert sie. Im inklusiven Sport sieht sie weiterhin einen Treiber für gesellschaftliche Veränderungen. „Die Bewegung ist sehr stark gewachsen. Die Athletinnen und Athleten schätzen die Erfahrung sehr und auch die Akzeptanz von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen hat zugenommen“, konstatiert Fitzgerald Mosley.

Die Olympiasiegerin von 1984 legt auch in Zukunft Wert auf die Eigenständigkeit von Special Olympics im Kontext des Weltsports. „Die Special Olympics Wettbewerbe brauchen einen eigenen Raum und ihre eigene Zeit, sonst würden die Leute dem nur wenig Aufmerksamkeit schenken“, betont sie. Und außerdem ist bei Special Olympics der Gedanke des Zusammenseins wichtiger als die sportliche Höchstleistung. „Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man seine eigene Höchstleistung erreicht. Man mag in der Leichtathletik nur auf dem letzten Platz ankommen, aber wenn man schneller gerannt ist als jemals zuvor, dann ist das ein Sieg“, ist sie überzeugt

In diesem Sinne hat dann wohl auch der 76-jährige Bob Beamon bei der Unified Experience einen Sieg errungen. Seine Staffel wurde zwar Letzter, er selbst aber errang einen Sieg gegen sich selbst und zeigte am Ende stolz inmitten all der anderen Athleten seine Teilnehmerschleife


 

Text: Tom Mustroph

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