Kampfmittelsondierungen – aufgraben, evakuieren, entschärfen

Ordnungsamt informiert über die Suche nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg


In einem Pressegespräch haben Dr. Eva Kaiser, Isabel Ermert und Marcus Kühlem vom Sachgebiet "Gefahrenabwehr/Allgemeine Ordnungsangelegenheiten" des Ordnungsamtes mit anschaulichen Beispielen und Fundstücken einen spannenden Einblick hinter die Kulissen ihres Arbeitsalltags gewährt, der sonst meist im Hintergrund abläuft. Sie lieferten Zahlen, Daten und Fakten.

Denn auch 76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschäftigen sie uns: Bomben, die über Köln abgeworfen wurden. Mal liegen sie sie nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche, mal bis zu acht Meter tief. Einige verfügen immer noch über intakte Zünder und eine Sprengkraft, die beträchtliche Schäden im Veedel anrichten könnten, andere sind längst nicht mehr zündfähig.


Wer in Köln bauen möchte, muss sein Grundstück auf die Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg untersuchen lassen. 2021 sind bei der Stadt Köln 1833 Anträge auf Luftbildauswertung eingegangen (2020: 1239 Anträge). Daraus entstanden 123 Fälle mit insgesamt 262 Verdachtspunkten. Nach Sondierungen wurden 28 Blindgänger gefunden. Hinzu kamen zwölf Blindgänger nach Zufallsfunden. Von diesen 40 entdeckten Blindgängern hatten 19 noch ein intaktes Zündsystem, so dass es zur Evakuierung um den Fundort kam. In den übrigen 21 Fällen hatten die Bomben keinen Zünder mehr und konnten gefahrlos durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert werden. Jährlich kommt es außerdem zu einer Vielzahl von weiteren Kampfmittelfunden, darunter beispielsweise Munition, Granaten, Stabbrandbomben.

Beim Ordnungsamt der Stadt Köln kümmert sich ein Team von Spezialist*innen um die Koordination der Suche nach den gefährlichen Funden. Sie informieren den Kampfmittelbeseitigungsdienst, der das Erdreich zunächst mit Spezialgeräten sondiert, um herauszufinden, ob sich im Boden tatsächlich ein Blindgänger befindet. Wird hierbei eine metallische Anomalie gemessen, gibt letzte Sicherheit nur eine Aufgrabung des Erdreichs.

Sobald der Kampfmittelbeseitigungsdienst die Arbeit aufgenommen hat, laufen im Kalk-Karree – wo das Sachgebiet "Gefahrenabwehr/Allgemeine Ordnungsangelegenheiten" des Ordnungsamtes angesiedelt ist – die Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung an. Ordnungsdienst und Feuerwehr werden informiert, die Lage besprochen: Wie viele Menschen sind betroffen? Gibt es Personen, die ihre Wohnung nicht verlassen können und mit einem Krankentransport aus der Gefahrenzone gebracht werden müssen? Wie viele corona-positive oder quarantänepflichtige Personen wohnen im Evakuierungsgebiet? Sind Schulen, Krankenhäuser oder sogar ein Gefängnis betroffen? Was ist, wenn auf dem Gelände eines Chemie- oder Industriebetriebs der Verdacht auf Blindgänger besteht?

In Köln muss man vielerorts mit Blindgängern rechnen, dennoch ist es nicht immer möglich, deren Lage zu bestimmen, ebensowenig können Zufallsfunde ausgeschlossen werden. Kampfmittelfunde werden die Stadt Köln und die Bevölkerung auch in diesem und in den kommenden Jahren beschäftigen.


 

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Robert Baumanns

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