FN Beiratssitzung in Münster


Im Rahmen der FN-Tagungen in Münster traf sich auch der Verbandsrat der FN in Münster. Viele interessante Informationen wurden an diesem Tag an die Delegierten weitergegeben.


Auch bei der Tagung des Verbandrates war das Interesse sehr groß, von 203 möglichen Mitgliedern waren 191 Delegierte persönlich anwesend. Diese Zahlen beweisen beeindruckend, wie hoch der Stellenwert dieser Veranstaltung anzusiedeln ist.


Nach den üblichen Regularien (Begrüßung, Feststellung der Beschlussfähigkeit u.ä.) ging es sehr zügig zu sehr interessanten Themen. Bei der Jahresrechnung 2021 wurde klar gesagt, dass es zu Verlusten gekommen ist. Diese Verluste waren sicherlich coronabedingt, aber auch die aktive, notwendige Hilfe bei der Hochwasserkatastrophe belastete den Haushalt stark. Die Rechnungsprüfer bescheinigten eine einwandfreie Kassenführung.


Für die Haushalte 2022 bis 2024 rechnet man aufgrund der Kostenstruktur weiterhin mit Verlusten, erst im Jahr 2025 sei eine Konsolidierung der Haushaltes zu erwarten. Insgesamt kann man allerdings sagen, dass die finanzielle Lage auf gesunden Beinen steht. Finanziell ist das Jahr 2022 besser gestartet als man es erwartet hat. Der Ausbau der Digitalisierung wird aber sicherlich noch weitere Kosten verursachen.



Den Reigen der Berichte eröffnete Hans-Joachim Ebel, er konnte seinen Bericht mit einer positiven Information starten. Die Bundeschampionate werden mindestens noch drei Jahre in Warendorf stattfinden, mit dem Reitsportartikelhersteller HKM hat sich auch ein neuer Hauptsponsor gefunden.


Kritisch betrachte er die Medienvorstellung des Reitsportes. Berichte über die Olympischen Spiele im modernen Fünfkampf (diese Disziplin liegt aber nicht im Entscheidungsbereich der FN) und RTL Berichte über das Touchieren von Pferden sind sicherlich nicht sehr förderlich für das Ansehen des Reitsportes. Er betonte, dass die Öffentlichkeit insgesamt sensibler geworden sei, gerade, was den Reitsport betrifft.


Wichtig für Erbel ist das Stoppen des Mitgliederrückgangs in der FN. Potential gibt es reichlich, von geschätzten zwei Millionen Reitern in Deutschland sind nur ca. 700.000 Reiter organisiert. Hier gibt es sicherlich noch Überzeugungsbedarf.


Wichtig für Erbel ist auch die Förderung der Digitalisierung des Reitsportes an, hier nahm er Bezug auf die Programmen Neon, Toris und Vera.


Insgesamt lobte Erbel die gute Zusammenarbeit mit den Landesverbänden, sechs Landesverbände will er noch besuchen in der nächsten Zeit. Das ist sein Nahziel um sich mit den Landesverbänden auszutauschen um so auch die Verbindung zum Dachverband zu stärken.

In dem nächsten Bericht äußerte sich Dr. Dennis Pfeiffer, beleuchtete die sportlichen Perspektiven. Er appellierte an alle Mitglieder, die sportlichen Ziele im internationalen Sport nicht zu hoch zu hängen, auch andere Nationen verfügen über ein sehr gutes Reiter- und Pferdepotential. Sicherlich ist Deutschland in allen Bereichen in der Weltspitze, aber das ist keine Medaillengarantie.



Pfeiffer setzte sich auch sehr engagiert für den Para-Reitsport ein und kündigte in diesem Bereich für die nächsten Jahre verstärkte Investitionen an. Er forderte speziell die Zuchtverbände dazu auf, geeignete Pferde zur Verfügung zu stellen. Sicherlich ein sehr guter Ansatz.


Einen kleinen Rückblick auf die Olympischen Spiele gab er auch, er kritisierte, dass die Zustände in den sogenannten Quarantänehotels teilweise unmenschlich waren und bezog sich dabei auf Berichte von SportlerInnen.


Pfeiffer äußerte die Angst, dass im nationalem Sport kleine ländliche Turniere von Turnierfabriken verdrängt werden, wie er es bezeichnete. Für ihn sei ganz speziell die Förderung von kleineren Veranstaltungen (Turnieren) wichtig, die dem Kinder- und. Jugendsport, Turniereinsteigern und dem Breitensport dienen. Die Basis müsse vermehrt in den Focus genommen werden. In diesem Zusammenhang äußerte er sich auch über den Frust für Reiter, wenn sie keinen Startplatz bei einem Turnier bekommen. Hier sieht er sicherlich einen berechtigten Handlungsbedarf.


Auch das Thema Reitabzeichenlehrgänge und weitere Lehrgänge wurde thematisiert. Hier sieht Pfeiffer auch Handlungsbedarf, die Machbarkeit von solchen Lehrgängen muss verbessert und gefördert werden. Hier sollte mal überlegt werden (Meinung des Redakteurs) ob nicht erfahrene und/oder ehemalige Turnierreiter, die vielleicht aus Zeitgründen keinen Trainerschein erworben haben, vermehrt in die Lehrgangsplanung integriert werden sollten.



Erschreckend die Zahl, die dann veröffentlicht wurde. Während der Corona-Krise wurden (vermutlich aus Kostengründen) deutschlandweit ca. 11.000 Schulpferde abgebaut. Eine Zahl, die zum Nachdenken anregen muss.


Eine weitere erschreckende Zahl wurde dann in dem nachfolgenden Bericht von Sönke Lauterbach veröffentlicht. Durch Corona sind dem Reitsport ca. 140.000 Reitschüler verloren gegangen, dass erklärt natürlich auch den enormen Rückgang von Schulpferden. Lauterbach sieht es verständlicherweise für eine Hauptaufgabe, die betroffenen Vereine zu unterstützen.


Lauterbach erörtert auch die Lage der Persönlichen Mitglieder der FN. Bei einem jetzigen Mitgliederbestand von ca. 58.000 Mitglieder (ein Minus von 850 Mitgliedern) sieht er in diesem Bereich eine konstante Entwicklung. Das Lehrgangsangebot soll weiter verbessert werden, ganz besonders im Bereich Kinder und Jugendliche.

Nach dem Bericht von Sönke Lauterbach wurde ein sehr interessanter Bericht aus dem Bereich Zucht veröffentlicht, hier einige Kernpunkte. Auch in der Zucht ist das Thema Herpes-Impfpflicht ein wichtiges Thema, bei den Hengstleistungsprüfungen wird sie Pflicht und auch, wenn Pferde bei Zuchtveranstaltungen eingestallt werden.



Betont wurde auch (kann ich absolut nachvollziehen) dass der Markt für gerittene Ponys und Pferde boomt. Wichtig ist für mich persönlich, dass die Ausbildung vorsichtig angegangen wird und dass auch Kinder das Pferd nachreiten können. Hier gibt es einen großen Markt, persönlich bekomme ich viele Anfragen für gut gerittene Pferde.


Ganz wichtig auch das Statement des Beirates Zucht, dass Pferde (betrifft meist Hengste) mindestens 30 Monate im Herdenverband aufwachsen sollen. Eine zielgerichtete Ausbildung soll in diesem Zeitraum nicht erfolgen. Darunter versteht man zum Beispiel, die jungen Pferde nicht im Training in den ersten 30 Monaten eng auszubinden und auch im Freispringen nicht über 1,30 springen. Für mich ist diese Empfehlung etwas halbherzig. Muss ein 2,5 Jahre altes Pferd schon freispringen, muss es schon longiert werden und müssen dann nach 30 Monaten die Ansprüche (legitim) so hoch geschraubt werden? Ich persönlich sage hier einfach mal nein. Unsere Pferde wurden alle erst recht spät ausgebildet und haben uns dafür mit einem hohen Alter im Turniersport belohnt.


Abschließend sprachen dann zwei Verbände ihre Einladungen für die Tagungen in den nächsten zwei Jahren aus. Im Jahr 2023 trifft man sich bei dem Landesverband Bayern, im im Jahr darauf bei dem Landesverband Sachsen.



 

Jürgen Fischer





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