"DAS FINALE WÄRE DAS HÖCHSTE DER GEFÜHLE"


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Im DFB.de-Interview spricht der Bruder von Weltmeister Sami Khedira mit Mitarbeiter Tobias Gonscherowski über den "machbaren" Gegner RB und die Ziele im Saisonendspurt.

DFB.de: Rani Khedira, wie war Ihre erste Reaktion, als Sie erfahren haben, dass im Halbfinale des DFB-Pokals Ihr Ex-Verein RB Leipzig auf Sie wartet?

Rani Khedira: In erster Linie war meine Reaktion ähnlich wie bei vielen anderen, dass wir mit dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig das schwerstmögliche Los bekommen haben. RB ist unter Domenico Tedesco wieder sehr gut in Schuss gekommen. Im zweiten Moment dachte ich, dass es trotzdem eine machbare Aufgabe ist. Wenn man unsere Saison betrachtet, sieht man, dass wir gerne der Underdog sind. Dementsprechend wollen wir auch gerne ins Finale einziehen.

DFB.de: Kann man das Los mit einer Mischung aus Bedauern und Vorfreude zusammenfassen?


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Khedira: Eher Vorfreude. Es wird ein sehr interessantes und intensives Spiel, in dem zwei Mannschaften aufeinandertreffen, bei denen es zur Sache gehen wird. Beide Teams stehen völlig zurecht im Halbfinale. Deshalb wird es ein sehr rasantes Spiel.

DFB.de: Wird die Partie eines der größten Spiele Ihrer Karriere?

Khedira: Mit Sicherheit. So viele Highlightspiele hatte ich auch noch nicht. Ein DFB-Pokalhalbfinale würde ich sicher dazu zählen.

DFB.de: Welche Bedeutung hat der Pokal für Sie?

Khedira: Eine große. Es ist der "einfachste" und kürzeste Weg, um einen Titel zu gewinnen. Wenn du am DFB-Pokal teilnimmst, versuchst du zu gewinnen. Und in diesem Jahr ist die Situation eine besondere, weil die großen beiden Mannschaften bereits ausgeschieden sind. Wir wollen die Chance nutzen und in unserer Stadt - wenn auch auswärts - das Finale spielen. Das wäre unglaublich für jeden, der daran mitwirkt.

DFB.de: Sie hatten in dieser Saison schon einige Highlights mit dem Sieg im Stadtderby gegen Hertha und dem Erfolg gegen Dortmund-Bezwinger St. Pauli. Macht das Appetit auf mehr?

Khedira: Ja. Das Flair im Pokal ist immer ganz besonders. Die Abendspiele, alles ist durch den DFB grün angehaucht. Dazu die bekannten eigenen Gesetze des Pokals. Es gibt auch den Hashtag #gewinnerbleibt, den ich irgendwo mal gelesen habe. Der gefällt mir. Du hast nur diese 90 oder 120 Minuten, danach ist es vorbei. Du bekommst keine zweite Möglichkeit. Das ist das Schöne am Pokal.

DFB.de: Jetzt haben Sie im Pokal eine Begegnung mit Ihrer Leipziger Vergangenheit. Von 2014 bis 2017 trugen Sie das RB-Trikot. Wie ordnen Sie diese Zeit rückblickend ein?


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Khedira: Lehrreich trifft es ganz gut. Ich habe dort in den drei Jahren viel lernen und mitnehmen können. Es war eine gute Zwischenstation für mich.

DFB.de: Im Leipziger Kader finden sich noch viele Spieler, mit denen Sie seinerzeit zusammen gekickt haben. Wie ist der Kontakt heute? Gab es einen Austausch, wurde geflachst?

Khedira: Ich habe nur noch wenig Beziehungen zu Leipzig. Die Mitspieler, die mir damals am nächsten gestanden haben, sind nicht mehr in Leipzig.

DFB.de: Die letzten beiden Bundesligaduelle gegen RB hat Union gewonnen. Denken Sie daran, wenn Sie von einem "machbaren Gegner" sprechen?

Khedira: Leipzig ist sicher auf dem Papier der Favorit. Sie spielen seit Jahren konstant in der Champions - oder Europa League. Aber der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Auch der Underdog kann gewinnen.

DFB.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung von Leipzig unter Trainer Domenico Tedesco?

Khedira: Wenn man sich ihren Punkteschnitt ansieht, sind sie wieder auf dem Niveau der letzten Jahre unter Julian Nagelsmann. Die aktuelle Entwicklung ist unglaublich. Sie sind meiner Meinung nach wieder zu ihren Basics zurückgekehrt mit viel Ballbesitz und Dominanz. Tedesco setzt wieder eher auf das Umschaltspiel, in dem sich die Mannschaft ein Stück weit wohler zu fühlen scheint.

DFB.de: Wie kann man RB knacken?


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Khedira: Wir müssen versuchen, unser Spiel auf den Platz zu bekommen. Unsere Griffigkeit, die brutale Mentalität. Immer auf den Füßen stehen, immer eng am Mann bleiben. Leipzig soll nie in Ruhe einen Pass spielen können. Wir müssen selbst mit dem Ball mutig nach vorne spielen, unsere schnellen Spitzen individuell schicken. Das alles wird gefragt sein.

DFB.de: Ist Union in der Bundesliga nach einem Durchhänger zuvor wieder in der Spur?

Khedira: So Phasen hat jede Mannschaft mal. Sogar Bayern München hat die. Das ist völlig normal. Wir haben uns nie aus der Ruhe bringen und verrückt machen lassen. Wir haben ganz normal weitergearbeitet, weil wir die Situation gut einschätzen konnten. Natürlich war es keine schöne und einfache Zeit, aber jetzt sind wir gestärkt aus der Situation herausgekommen.

DFB.de: Was würde ein Finaleinzug für den Verein und Sie persönlich bedeuten?

Khedira: Das Höchste der Gefühle. In deiner Stadt ein Finale zu spielen, wäre außergewöhnlich. Das würde jeder für immer in seinem Kopf und Herz behalten. Es wäre ein einmaliges Erlebnis. Und wenn du so knapp davor stehst, dann willst du es unbedingt erreichen.

DFB.de: Waren Sie in Ihrer Stuttgarter Zeit mit der Mannschaft beim Finale 2013 dabei?

Khedira: Nein, leider nicht. Ich gehörte zwar zum Bundesliga-Kader, war aber damals für die U 19-Nationalmannschaft im Einsatz. Dafür war ich aber 2007 im Olympiastadion, als mein Bruder mit dem VfB das Finale gegen Nürnberg spielte. Das Erlebnis war richtig geil.

DFB.de: Sie spielen jetzt seit dem Sommer 2021 für die "Eisernen". War Ihr Wechsel von Augsburg nach Berlin der richtige Schritt?

Khedira: Das kann man schon sagen. Ich fühle mich im Verein und der Stadt sehr wohl. In der Mannschaft bin ich sehr gut angekommen. Die Dinge, die ich mir gewünscht habe, sind eingetreten. Ich habe nahezu jedes Spiel absolviert, blieb durchgehend gesund. Wir spielen wieder eine außergewöhnliche Saison. Die Entscheidung, zu Union zu wechseln, war definitiv die richtige.

DFB.de: Was ist der Anspruch für die letzten Spiele der Saison? Verspüren Sie Druck wegen der sich erneut bietenden Chance auf Europa?

Khedira: Druck verspüre ich gar nicht. Wir haben unser erstes Saisonziel schon frühzeitig erreicht. Wir können relativ "entspannt" in die restlichen Spiele gehen und versuchen, noch einen Platz zu klettern und Ausrutscher der anderen Vereine auszunutzen. Aber erstmal müssen wir unsere eigenen Spiele gewinnen. Herumrechnen und das Restprogramm der Vereine studieren, bringt da nichts. In den letzten Partien einer Saison gibt es erfahrungsgemäß oft ungewöhnliche Ergebnisse. Wir probieren, so viele Punkte wie möglich zu holen und die Punktausbeute der letzten Saison (50 Punkte, Anm. d. Red.) zu toppen.


 

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