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CHIO AACHEN SCIENTIST CIRCLE




Ein zufälliges Treffen bei einer Veranstaltung brachte den Stein ins Rollen: Birgit Rosenberg, Vorstandsmitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), und Prof. Dr. Dirk Winter kamen ins Gespräch zum Thema wissenschaftliche Beleuchtung des Tierwohls. Einige Telefonate und wenige Monate später war ein bedeutendes Projekt geboren: der CHIO Aachen Scientist Circle.

Dieser Zusammenschluss besteht aus acht Wissenschaftlern und Pferdefachleuten aus Deutschland, Belgien und der Schweiz und beschäftigt sich unentgeltlich mit dem Wohlergehen von Sportpferden. Die Frage, die bereits im Rahmen des CHIO Aachen 2023 thematisiert worden ist, lautet: Wie geht es den Turnierpferden in ihrer Haltung beim CHIO Aachen im Vergleich zu ihrem Heimatstall? Ziel der Untersuchung ist es, fundierte Daten zum Status Quo zu sammeln und Möglichkeiten zu finden, den Aufenthalt für die Pferde in Zukunft noch angenehmer zu gestalten, um ihnen bestmögliche Bedingungen zu bieten. Mit dabei waren im ersten Jahr vier internationale Turnierpferde, die per KI-gestützter Kameratechnik rund um die Uhr beobachtet wurden und deren Stresslevel unter anderem anhand des Cortisol-Levels im Kot bestimmt wurde.

 

Die ersten Auswertungen stimmen die Wissenschaftler optimistisch. „Positiv ist uns bei der Beobachtung aufgefallen, dass die Pferde beim Turnier in Aachen zwar längere Verweilzeiten in der Box hatten als im Heimatstall, aber sie wurden viel beschäftigt und bewegt“, erläutert Prof. Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Weil den Wissenschaftlern des CHIO Aachen Scientist Circles das Thema sehr wichtig ist und die Untersuchungen bei den kommenden Turnieren noch ausgeweitet werden sollen, erhalten sie inzwischen Hilfe von Doktorandin Leonie Krüger. Sie kümmert sich in ihrer Promotion unter anderem um die Auswertung der bisher gesammelten Daten. Die Cortisol-Proben beim Turnier 2023 umfassen vier Tage im Heimatstall, den Transport nach Aachen, das Training und den Wettkampf vor Ort, den Transport zurück und die anschließenden drei Tage zu Hause.

 

Leonie Krüger berichtet von der Auswertung der Proben aus der Pilotstudie: „Cortisol wird ausgeschüttet bei physischem und psychischem Stress, deshalb gab es einen Anstieg am Wettkampftag. Der ist völlig logisch. Die Kurve würde beim Reiter wahrscheinlich ähnlich aussehen. Die weiteren Cortisol-Werte, die während des Aufenthalts der Pferde in Aachen erhoben wurden, lagen auf einem ziemlich niedrigen Niveau.“ Die Wissenschaftlerin ordnet diese ersten Ergebnisse wie folgt ein: „Der Transport und das Training in Aachen hatten in Bezug auf das Stresslevel offenbar keine großen Auswirkungen. Und wir konnten feststellen, dass die Pferde nach dem Wettbewerb zu Hause auch schnell wieder auf dem Level von vor dem Turnier sind.“

 




Pilotstudie wird Versuchsplan für die kommenden Jahre

Krüger und Winter warnen davor, die ersten Erkenntnisse überzubewerten oder falsch zu interpretieren. „Wissenschaft braucht Zeit. Wir können noch keine fundierten, endgültigen Aussagen treffen“, betont die Doktorandin. Winter ergänzt: „Wir haben jetzt eine erste Auswertung, aber mit vier Pferden können wir noch keine Ableitungen oder allgemeingültige Aussagen treffen.“ Um das zu ändern, sollen schon beim CHIO Aachen 2024 deutlich mehr Pferde – mindestens zwölf – an der Studie teilnehmen.

 

„Unser Blick geht in die Zukunft. Wir werden aus der Pilotstudie den Versuchsplan für die nächsten Jahre erarbeiten. Der muss sinnvoll sein und die richtigen Parameter abdecken, damit wir dann auch wirklich wissenschaftlich fundierte Aussagen über das Wohlergehen der Pferde in ihrer Haltung auf dem Turnier treffen können“, erläutert Leonie Krüger. Unter anderem soll das Monitoring per Kamera mit direkter Tierbeobachtung ergänzt werden. Darüber hinaus sollen künftig auch die wesentlichen Stallluftfaktoren sensorisch ermittelt werden. Mit etwa 30 bis 40 Pferden in einem Gesamtzeitraum von drei Jahren werde es dann auch möglich sein, eine fundierte Aussage treffen zu können. Ein Endergebnis im klassischen Sinne erwarten die Wissenschaftler aber nicht. „Es wird immer neue Faktoren geben, die das Tierwohl beeinflussen und die wir untersuchen müssen“, sind sie sich einig. Daher wird sich der CHIO Aachen Scientist Circle auch langfristig dem Themenkomplex Tierwohl widmen.

 

Um in Zukunft sicherzustellen, dass die Pferde bestmöglich beobachtet werden, könnte sich Prof. Dr. Winter vorstellen, die Boxen in Aachen grundsätzlich mit Kameras auszustatten. „So könnten Veranstalter und Reiter zeigen, dass zum Beispiel die Haltungsparameter engmaschig kontrolliert werden.“ Zudem werden weitere Möglichkeiten geprüft, wie zusätzliche Aspekte rund um das Thema Tierwohl untersucht werden können. „Wir beschäftigten uns aktuell mit der Anwendbarkeit von weiteren innovativen technischen Verfahren“, verrät Winter.

 

Möglicherweise könnte der CHIO Aachen so auch eine Vorbildfunktion für andere Turniere haben, wenn auch die Bedingungen für die Pferde überall unterschiedlich sind. Prof. Dr. Dirk Winter ist überzeugt: „Aachen ist das wichtigste Turnier weltweit. An den Standards, die wir hier bestmöglich erarbeiten, könnten andere Veranstalter sich künftig orientieren.“



Aachen Laurensberger Rennverein e.V.


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