Brut- und Schlupfzeit im Zoo Neuwied




Es ist Frühling, die Sonne scheint und überall wächst und gedeiht die Natur. Während das so manchen vielleicht dazu bewegt, ganz bewusst zu „entschleunigen“ und innezuhalten, ist es für die Tierpfleger in den Vogelrevieren des Zoo Neuwied eine besonders arbeitsreiche Zeit: Es ist Brut- und Schlupfzeit bei den meisten Vögeln.

In der Voliere der australischen Sittiche spielt sich die Brut im Verborgenen ab: „Papageien sind Höhlenbrüter“, erklärt Kurator Maximilian Birkendorf, „da machen Wellensittiche und Nymphensittiche keine Ausnahme. Die Jungvögel fliegen als Nesthocker erst aus, wenn sie vollständig befiedert und bereits fast so groß sind wie ihre Eltern.“ Dass die Küken nicht zu sehen sind, bedeutet jedoch nicht, dass die Mitarbeiter des Zoos sich nicht mit ihnen beschäftigen müssen. Die Nistkästen werden regelmäßig überprüft, um keinen Schlupf zu verpassen. Denn die Küken müssen mit den vorgeschriebenen Fußringen ausgestattet werden, und das Zeitfenster dafür ist äußerst klein. „Wenn man die Ringe zu früh anbringt, fallen sie wieder ab, weil die Füße der Küken noch zu klein sind. Wenn man hingegen zu lange wartet, sind sie zu groß und man bekommt die geschlossenen Ringe nicht mehr übergestülpt.“


Auch im Avimundo an der westlichen Seite des Zoos haben sich in den vergangenen Tagen kleine Nesthocker aus ihren Eiern gekämpft. „Die Guirakuckucke haben zwar wunderschöne Eier, ihre Küken sind jedoch, wie alle Nesthocker, kein besonders niedlicher Anblick“, findet Max Birkendorf. „Nesthocker, zu denen neben den Kuckucken auch Singvögel, Eulen und Greifvögel gehören, schlüpfen spärlich befiedert und mit geschlossenen Augen aus ihren Eiern, und es dauert eine ganze Weile, ehe sie auch nur im Entferntesten ihren Eltern ähneln.“

Ganz anders sieht es bei den Kronenkiebitzen aus, den Nachbarn der Guirakuckucke. „Die Kiebitze sind Nestflüchter. Wie kleine Hühner oder Gänseküken sind sie von Anfang an flauschig befiedert und können schon kurz nach dem Schlupf ausgezeichnet laufen.“ Allerdings muss man schon genau hinschauen, um sie zu entdecken: Sowohl die Eier als auch die Küken selbst sind hellgrau mit schwarzen Sprenkeln, und auf steinigem, sandigem Untergrund kaum zu erkennen. „Wir nennen sie liebevoll „Stracciatellas““, lacht der Kurator.

Nicht übersehen kann man hingegen die größten Eier der Welt, auf denen zurzeit die Strauße brüten. Da die Strauße bei der Brut viel Ruhe benötigen und ihre Eier zur Not auch vehement gegen potenzielle Gefahren verteidigen, liegt das in einer Sandkuhle angelegte Nest jedoch verborgen hinter dem Haus. Da die Straußenküken aber ebenfalls zu den Nestflüchtern zählen, würden die Küken im Falle eines Bruterfolges nach ihrem Anfang Mai erwarteten Schlupf sicher nicht im Nest bleiben, sondern die Anlage erkunden. „Dies wäre seit 15 Jahren die erste Naturbrut bei den Straußen für unseren Zoo“, verrät Birkendorf, „Wir drücken alle sehr die Daumen.“

Auch die Steppenadler sitzen zum ersten Mal in der Geschichte des Zoo Neuwied auf Eiern, und die Flamingos machen in diesem Frühjahr nach mehreren Jahren Pause endlich wieder Anstalten, zu brüten. Man darf also gespannt sein, wo es im Zoo in diesem Frühjahr noch überall piepst, krächzt, quakt oder zwitschert.


 

Text und Fotos Zoo Neuwied

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