Bronze für das deutsche Dressurteam


Die erste Entscheidung bei der Weltmeisterschaft 2022 im dänischen Herning ist gefallen. Die deutschen Dressurreiter gewinnen die Bronzemedaille. Nachdem Ingrid Klimke mit Franziskus und Benjamin Werndl mit Famoso OLD am Samstag mit jeweils neuer persönlicher Bestleistung vorgelegt hatten, sichern Isabell Werth mit DSP Quantaz und Frederic Wandres mit Duke of Britain FRH am Sonntag den Platz in den Medaillenrängen für die deutsche Mannschaft. Die Goldmedaille geht an die Gastgeber aus Dänemark, Großbritannien gewinnt Silber.



Bundestrainerin Monica Theodorescu ist mehr als zufrieden mit den Ergebnissen ihres Teams: „Ich bin total glücklich über die Leistungen der Reiter und Pferde, sie haben alle top abgeliefert. Wir wussten, dass das hier ein enges Rennen wird. Wir haben die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris, das ist das Allerwichtigste. Eine Bronzemedaille mit drei Reitern, die noch nie auf einem Dressurchampionat waren, das macht mich sehr stolz."


Als 18. Paar und als erstes Paar für Deutschland starten Ingrid Klimke und Franziskus im Stutteri Ask Stadium in Herning, in dem 10.000 Personen Platz finden. Ihnen gelingt eine tolle Runde und am Ende wird es sogar eine neue persönliche Bestleistung von 75,683 Prozentpunkten. Franziskus, der Hannoveraner Hengst aus der Zucht von Elisabeth Albers (Löningen) und im Besitz des Hengsthalters Wilhelm Holkenbrink aus Münster zeigte sich sehr konzentriert mit tollen Einer-Wechseln und schönen Piaffen. "Ich bin wirklich total happy, weil Franz wirklich total bei mir war. Als ich ins Stadion kam war da so ein Moment, in dem ich dachte 'oh nicht so laut klatschen'. Aber dann habe ich angehalten, einen Moment gewartet. Und dann merkte ich, jetzt atmet er durch. Und in dem Moment wo ich angeritten bin, hatte ich das Gefühl, er ist total bei mir – super!", freut sich eine erleichterte Ingrid Klimke nach ihrem Ritt. Franziskus sei in absoluter Topfform. Bereits vor dem Trainingslager des deutschen Teams auf dem Helenenhof der Familie Schwiebert haben Ingrid Klimke und Co-Bundestrainer Johnny Hilberath noch einmal gemeinsam trainiert, vor allem an den Piaffen, Passagen und Pirouetten gearbeitet. Das hat sich gelohnt: "Die Pirouette hat sich toll angefühlt", sagt Ingrid Klimke.


Als zweites Paar für das deutsche Team reiten Benjamin Werndl und sein Oldenburger Wallach v. Farewell - Welthit in das WM-Stadion ein. Eine harmonische Runde mit schöner Piaff-Passage-Tour und feiner Anlehnung gelingt den beiden. Das Ergebnis ist eine neue persönliche Bestmarke von 77.003 Prozentpunkten und ein toller Auftakt für Benjamin Werndl bei seinem ersten Senioren-Championat. Das deutsche Team und die Besitzerin von Famoso OLD Flora Keller jubeln. "Unabhängig vom Ergebnis war das mein 'personal best', das war die beste Prüfung unseres Lebens – bisher. Denn es kommen ja noch zwei", freute sich ein sehr erleichterter Benjamin Werndl nach der Prüfung. "Das Motto war, nicht zu viel über das Ganze nachdenken. Ich habe so etwas Besonderes noch nie erlebt, außer als Begleiter meiner Schwester Jessica. Aber das muss ich sagen: Selbst einreiten ist besser, als als Begleiter mitzugehen, so gern ich auch bei ihr dabei bin", sagt Werndl. Er fokussiere sich während der WM sehr auf den Sport, würde keine E-Mails beantworten und auch das Handy viel zur Seite legen. Bei aller Bedeutung des WM-Starts für ihn, sei ihm aber auch klar: "Es gibt natürlich Wichtigeres auf der Welt. Es gibt Probleme in der Welt, mit denen ich mich natürlich befasse und das hilft mir, das in dem Moment etwas lockerer zu sehen."


Als zweitletzer Starter des ersten Grand-Prix-Tages herrschte am Abend in Herning eine besondere Stimmung im Stadion. "Wir uns dann sehr fokussiert, denn er (Famoso) hat sich verändert da drin im Stadion, weil es einfach anders ist als vorher im Training dann mit all den Leuten und in dieser Abendstimmung. Und es hat schon geknistert und dann hat er aber auf Vertrauen geschaltet und das ist eine besondere Qualität von ihm, dass er trotzdem zuhört. Natürlich kann man das auch trainieren, so ein Vertrauen aufzubauen, aber es ist schon auch was Besonderes, so ein Pferd dann zu haben, das dann zuhört", lobte er seinen Oldenburger Wallach (Züchter Lambertus Schnieder).


Als drittes der vier deutschen Starterpaare bringen Isabell Werth (Rheinberg) und DSP Quantaz das deutsche Team am zweiten Wettkamptag zunächst in Führung. Auf der Schlusslinie sammeln die beiden in der Passage-Piaffe-Tour noch einmal richtig Punkte und erzielen am Ende mit 77,127 Prozent das beste Ergebnis für das deutsche Team. Für die viermalige Einzelweltmeisterin Werth sind es bereits die siebten Weltmeisterschaften. Ihr zwölfjähriger Hengst Quantaz, ein Deutsches Sportpferd von Quaterback aus der Zucht von Dr. Kathrin Damm, ist zum ersten Mal bei einer WM am Start. "Ich konnte heute nicht allzu viel riskieren und mir war es wichtig, fehlerfrei zu reiten und eine gute Piaff-Passage-Tour zu zeigen. Das hat gut geklappt und ich bin sehr zufrieden mit Quantaz", sagt Werth nach ihrem Auftritt. "Ich wusste nicht, wie Quantaz in dieser beeindruckenden Phase reagieren würde, weil wir uns in so großen Arenen noch nicht so gut kennen. Er hat es toll gemacht." Ihrem Hengst sei in den vergangenen Tagen ein regelrechtes VIP-Programm zu Gute gekommen, mit viel gemeinsamer Zeit beim Grasen, Spazieren gehen und Schritt reiten, um sich noch besser kennenzulernen und ihm die Chance zu geben, sich gut anzugewöhnen.


Vor dem letzten deutschen Starterpaar holen die Britin Charlotte Fry mit Glamourdale und die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Vamos Amigos wichtige Punkte für ihre Teams und bringen Großbritannien und Dänemark mit 234.223 und 235.451 Punkten auf Silber- und Goldkurs. Der Druck auf den letzten deutschen Reiter, Frederic Wandres (Hagen a.T.W.) mit seinem Hannoveraner Duke of Britain FRH, wächst. Ein Fehler in den Zweierwechseln kostet zwar Punkte, dennoch liefern die beiden bei ihrem WM-Debüt eine tolle Runde und tragen am Ende mit 76,661 Prozent entscheidend zur Bronzemedaille für das deutsche Team bei. "Von Deutschland wird immer etwas erwartet bei so einem Championat, aber wir wussten vorher, dass wir vier Pferde am Start haben, die noch keine Championatserfahrung haben. Wir haben als Team alle einen tollen Job gemacht, jeder hat sein Bestes gegeben. Wir haben gekämpft und sind am Ende mit Bronze auf einer guten Position gelandet", sagt Wandres nach seinem Ritt. "Mein Kindheitstraum war immer ein Mannschaftsfoto mit Isabell zu haben – da hab ich jetzt mal einen Haken dran gemacht, das bekommen wir jetzt zusammen mit der Bronzemedaille."


Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN)

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