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75 Jahre Hausfrauennachmittage





In dieser Session feiert die Grosse Karnevalsgesellschaft e.V. Köln von 1852 ein besonderes Jubiläum: die GKG Greesberger hat 1949 erstmalig einen Hausfrauennachmittag veranstaltet und somit die Grundlage für die heutigen

Damen- und Mädchensitzungen ins Leben gerufen.

Die Geschichte der Hausfrauennachmittage begann 1949, veranlasst durch die

Kölnischen Rundschau.


Der spätere Präsident der Greesberger, Herbert Limbach war

von Anfang an der Sitzungsleiter. Herbert Limbach wurde es offenbar in die Wiege

gelegt, die Menschen zu unterhalten und ihnen Freude zu machen. Dazu gehörte auch

seine Truppenbetreuung im Krieg, die auch schon im Fernsehen gezeigt wurde. Das

Motiv für die Durchführung der Hausfrauennachmittage war die Idee, den

„Hausfrauen“, die damals rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche und in

der schweren Zeit im „Dienst“ waren, etwas Abwechslung von ihrem Alltag über den

Karneval zu bieten


Herbert Limbach, Präsident der Greesberger von 1958 bis 1969, von 1970 bis 1977

und von 1982 bis 1986, leitete die HFN der Kölnischen Rundschau. Man hatte ihn

anfänglich recht mitleidig belächelt, als er sich 1949 auf ein – karnevalistisch neues

Feld wagte. Skepsis war die mildeste Form der Ablehnung, die man den Rundschau-

Hausfrauennachmittagen mit Herbert Limbach entgegenbrachte.

Herbert Limbach leitete aber eine neue Entwicklung im Karneval ein, die als Präsident

der Greesberger fortführte. Später wurde er respektvoll der „Vater der Damensitzung“

genannt.

Premiere der HFN war im „Imperial“ an der Ehrenstraße, in den ersten Jahren fanden

fünf Veranstaltungen statt. Aber der Andrang war in kurzer Zeit so groß geworden,

dass die Nachmittage nach zwei Jahren in den großen Sartorysaal umziehen musste.

Im Jahre 1958 stellte die Rundschau die HFN ein. Der Grund ist nicht bekannt.

Herbert Limbach, der dann 1958 zu den Greesbergern kam brachte die HFN als fester

Bestandteil der Karnevalsveranstaltungen mit. Am 14.01.1959 fand der erste HFN der

Greesberger im großen Festsaal Sartory statt. Das Sessionsheft der Greesberger aus

dem Jahre 1959 weist sechs Veranstaltungen (HFN) aus. Bis 2003 fanden sie im

Sartory statt. Seit 2004 ist die Mädchensitzung im Maritim - Hotel. Über die Jahre

hinweg wurden inzwischen aus den sechs Veranstaltungen nur noch eine. Aber die hat

es in sich. Bis zum Jahre 1956 fanden die HFN ohne Elferrat statt. Erst im Jahre 1957

stellte die K.G. Sr. Tollität Luftflotte e.V. 1926 erstmalig bei einer Damensitzung einen

Elferrat. Heute sind die Damensitzungen aus dem Fastelovend nicht mehr

wegzudenken.




Zeitungsbericht vom Hausfrauennachmittag der Greesberger 1950

Wie jede frühere Hausfrauennachmittag der Kölnischen Rundschau hatte auch der 14.01 und der 15.01. am Mittwoch und Donnerstag im Imperial eine besondere Überraschung.

Diesmal hieß sie Elly Glässner. Die wohl kultivierteste und populärste Vortragskünstlerin

vollbrachte im Rahmen eines karnevalistischen Programms wieder einige kabarettistische

Kabinettstücke, die den Menschen und die Künstlerin Glässner gleichermaßen auszeichnen.

Hätten doch alle ihre Kolleginnen die gleiche Selbstironie. Und hätten doch alle

Nachfolgerinnen die gleiche Liebe zur Kleinkunst, die ein Niveau bestimmt, das heute leider

unerreicht ist! Frau Glässner hineingestellt in eine Folge von Büttenreden, war das nicht

etwas gewagt? Manche, die die Künstlerin nicht kannten, glaubten das.

Doch überlegen und sicher wie immer trat Glässner an das Mikropfon und ließ unsere

Hausfrauen bereits nach den ersten Worten vergessen, dass wir im Karneval STEHEN;

EINE Tatsache; die sowohl für die reife Kunst Elly Glässner spricht, als auch für die Urteils-

und Aufnahmefähigkeit der Besucherinnen. Wir möchten sie recht bald wieder in Köln

sehen.

Am Mittwochnachmittag war Karl Schmitz-Grön wieder in großer Fahrt, als er „auf große

Fahrt zum Fasching nach München“ war, vertrat ihn Herbert Limbach, ein Mann, der seine

Aufgabe nicht nur routiniert löste, sondern viele neue Freundinnen gewann. Ja, der schmale

Herbert kennt die Kölnerinnen!

Das karnevalistische Programm bestritten Jupp Weller als Tünnes, Ludwig Geisler als

Tränentier, Kaspar Empt als Schutzmann Streukuchen, die zwei Holzköpp (Gesangduett)

und die Komiker Dick und Dünn, Rita Knodt, die junge charmante Sängerin, sang moderne

Schlagerlieder und die Kapelle Les Serenades lieferte den musikalischen Part. Dr. Ernst

Miller als Gast vom Cafe Wien und „Flügelmann“ der Elly Glässner erhielt zwar keine Blumen wie die beliebte Künstlerin, dafür aber eine zünftige Rakete.



 

Text: Dr Günther Peters


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